Nun habe ich
seit einiger Zeit bewusster nach solchen, von anderen Menschen erdachten und
gestellten, Fragen Ausschau gehalten und bin fündig geworden. Ich werde mir
deshalb nachfolgend im Laufe der Zeit solche Fragen immer wieder einmal selbst
vorlegen und beantworten. Vielleicht ist ja, auch und gerade, weil es etwas
kompliziertere Fragen sind, dennoch jemand bereit, diese im Sinne eines
"Stöckchens" aufzunehmen und seinerseits zu beantworten und eventuell
sogar an andere Interessierte weiter zu geben.
Hier und heute
beantworte ich die ersten 11 Fragen eines Komplexes, zu dem noch weitere 11
gehören. Die nehme ich mir aber ein anders mal vor. Für heute wende ich mich
erst einmal den folgenden zu:
Ich wäre/bin
einige Jahre jünger, so um die 40 herum.
Die Frage steht
für mich nicht als alternative Frage. Misserfolg kann für mich sehr schlimm
sein. Aber etwa im Nachhinein zu bemerken, etwas unterlassen zu haben, was an
sich gut, wichtig und vor allem machbar gewesen wäre, das ist nicht weniger
schmerzlich für mich. Wann was von beidem wie schlimm ist, hängt davon ab, um
was es jeweils konkret ging.
Weil es keine
universelle, allumfassende, generelle Freiheit gibt, und auch nicht geben kann.
Als Menschen sind wir nur als biosoziale Lebewesen lebens- und vor allem
überlebensfähig. Das schließt mehr oder weniger große Kompromisse mit Blick auf
universelle, vor allem universelle individuelle, Freiheit notwendig ein.
Diese
Kompromisse sind allerdings häufig nicht im Sinne wirklicher Kompromisse
ausgelotet. Dem stehen vor allem das Streben nach Macht und Geld (was letztlich
sehr oft dasselbe ist) und ein Egoismus, der den Schaden bzw. die nicht gleichberechtigte
Teilhabe andere Menschen mehr oder
weniger bewusst "einkalkuliert", entgegen.
Auch das ist
von Fall zu Fall, von Situation zu Situation, unterschiedlich. Ich bemühe mich,
zu handeln, wäge aber sicher mitunter zuvor zu sehr meine Fähigkeiten ab,
schätze diese dabei nicht immer richtig ein, zweifle etwas zu sehr an ihnen, an
mir selbst. Allerdings glaube ich auch zu wissen, wie fatal vor allem
Selbstüberschätzung sein kann.
Im Übrigen sind Reden und Handeln gar nicht so
selten keine Gegensätze. Jemand, der mit Klugheit, Phantasie und Strukturiertheit,
etwa zu einem komplexeren Problem zunächst eine Lösungsmöglichkeit entwirft,
diese verbreitet, diskutiert, ggf. korrigiert und sich dann für deren Umsetzung
engagiert einsetzt, der ist sehr wohl jemand, der nicht nur redet, sondern
aktiv handelt. - Nicht jeder kann alles
leisten, der eine hat diese Stärken, der andere jene.
Eine Arbeit,
die mich ICH sein und bleiben lässt, die ausdrücklich ein lebensWÜRDIGES Leben
für möglichst viele Menschen im Blick bzw. zum Gegenstand hat, die auf
gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen orientiert ist, die anderen Menschen
in diesem Sinne hilft. Eine Arbeit aber auch, die mich nicht erdrückt, die mir
Freiräume lässt und Zeit und Gelegenheit fortwährend genügend Kraft und
Motivation zu schöpfen und zu behalten.
Ich tue viel
von dem, an das ich glaube, worauf ich vertraue und hoffe. Ich versuche, es zu
leben. Manchmal wahrscheinlich zu sehr. Ich empfinde, dass die Realität
bisweilen sehr weit weg ist von diesen Dingen. Arrangieren kann ich mich nur
insoweit mit dem was ich tue, wie mein Gewissen es zulässt. Und mein Gewissen
ist streng.
Das ist eine besonders
schwierige Frage für mich. Wohl auch, weil ich zu mittlerweile, die jeweilige
Zeitdauer betreffend, immer gleicher werdenden Teilen unter den Bedingungen
zweier sehr unterschiedlicher Gesellschaftssysteme gelebt habe. Je älter ich
geworden bin, desto mehr sind meine Handlungs- und Gestaltungsmotivationen
durch die eigene empirische Erfahrung geprägt und bestimmt worden. Aber ich war
auch früher nicht bloß "fremdbestimmt". Und heute ist andererseits
die Selbstbestimmtheit, die Entscheidungsfreiheit, wie jede Freiheit,
schließlich auch immer nur eine relative. -
Am schwierigsten
war und ist für mich die Zeit des Systemwechsels (die so genannte "Wende").
Ein Systemwechsel war fällig, aber so und in die Richtung in die er dann
geschah, wollte ich ihn nicht. Und im Grunde kann ich mich bis heute auch nicht
damit "arrangieren".
Beides, ich
glaube, zu ziemlich gleichen Teilen. Die richtigen Dinge, richtig tun (ohne
freilich immer zu wissen, was "richtig" - auch so ein Begriff der nie
als absolut gesetzt werden kann und darf - ist).
Informiere Dich
stets so umfassend als nur möglich, aus unterschiedlichsten Quellen, auch
solchen, die nicht "offiziell" sind, besprich es mit Menschen, denen
Du wirklich vertraust, die Du Deine wirklichen Freunde nennst, und höre dann
auf das, was Dein Herz Dir sagt!
Ich glaube, ich
denke anders und daraus folgend lebe ich auch anders.
Ich bin sehr
kritisch und selbstkritisch aber auch sehr unflexibel und zweifelnd. Ich bin
sehr analytisch und emotional zugleich, aber wenig mutig und risikofreudig. Ich
bin gutmütig und offen aber doch sehr unsicher in dem, was Vertrauen betrifft.
Meine Werte
sind teilweise andere als jene anderer Menschen und ich lebe sie offenkundig
anders. Ich bemühe mich, sie auf meine Art sehr konsequent zu leben (was mir
zweifellos nicht immer gelingt) und zu vertreten. Wie ich das tue, ist offenbar
anders als bei vielen anderen Menschen, jedenfalls habe ich das Gefühl, selten
wirklich in aller notwendigen Tiefe verstanden zu werden und wenn, dass man mir
dann doch (lieber) nicht nacheifern möchte. Mindestens nicht in allem bzw.
nicht konsequent. - Allerdings geht es mir in Bezug auf viele andere Menschen
nicht anders.
Wenn die Frage
anders lauten würde, nämlich so:
"Woran
liegt es, dass Dinge, die alle anderen glücklich machen, nicht auch Dich
glücklich machen?", könnte ich sie besser, könnte ich sie überhaupt beantworten.
Meine Antwort lautete dann:
Das liegt wohl
an meinem Verständnis von Glück. Eine Blogfreundin schrieb mir dazu einmal,
mein Verständnis von Glück sei "unglaublich sozial und
gesellschaftsorientiert". Und viele Menschen haben mir mittlerweile
bedeutet, dass diese Ausprägung meines Glücksverständnisses, eine (viel) zu
starke, zu einseitige, mich selbst, mein persönliches Glück, zu wenig im Fokus
habende, sei.
Mein persönliches Glücksempfinden ist allerdings kein losgelöstes, kein eigenständiges
- ich KANN es nur im Kontext jener sozialen und gesellschaftsorientierten
Ausprägung empfinden und genießen oder eben auch nicht.
Zu ergänzen hätte ich noch, dass persönliches Glücksempfinden
natürlich auch sehr stark von den eigenen Neigungen und Interessen
"unterhalb" der großen Werte abhängig ist. Die derartigen Neigungen
und Interessen sind ganz naturgegeben aber bei jedem Menschen anders und unterschiedlich stark ausgeprägt.
Ich mag halt besonders, die stillen, die ruhigen, die geistigen,
die musischen, die sanften Dinge (einschließlich Menschen!), Emotionen in ihrer
Tiefe ... - sie machen mein persönliches Glück aus.